Unerfüllter Kinderwunsch

Kinderlose Paare sollten immer auch an eine Schilddrüsenerkrankung als mögliche Ursache denken. Die Schilddrüse beeinflusst als übergeordnetes Organ unter anderem die Funktion weiterer Hormondrüsen, so auch die der Hoden und Eierstöcke.

Eine Funktionsstörung (Überfunktion oder Unterfunktion) kann daher zu Zyklusstörungen (Verkürzung oder Verlängerung) führen oder sogar ein Ausbleiben der Menstruation verursachen.

Schilddrüsentherapie bei unerfülltem Kinderwunsch

Alle Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch und TSH >2.5 sollten vor Therapiebeginn einer weiteren Schilddrüsenabklärung zugeführt werden (Schilddrüsenultraschall, Bestimmung der Schilddrüsenautoantikörper, eventuell Szintigraphie) und nur danach eventuell eine Therapie mit Levothyroxin eingeleitet werden. Drei Monate nach Therapieeinleitung erfolgt eine Kontrolle der Schilddrüsenfunktion (Bestimmung TSH, fT4), TSH-Werte um 1 sind anzustreben. Es werden Kontrollen in zumindest dreimonatigen Abständen empfohlen.
 
Frauen mit Kinderwunsch sollten frühzeitig auf eine ausreichende Jodversorgung durch Einnahme von Jodid-Tabletten hingewiesen werden.

Da die Plazenta für Hormone der Achse Hypophyse-Schilddrüse, d.h. TSH, T3 und T4, nahezu undurchlässig ist, unterliegt die Steuerung der mütterlichen bzw. der kindlichen Schilddrüsenfunktion autonom funktionierenden Regelkreisen. Plazentagängig ist lediglich der Schilddrüsenhormonbaustein Jodid, so dass spätestens ab der 10. bis 12. Schwangerschaftswoche, mit Beginn der Hormonsynthese in der kindlichen Schilddrüse, zur Verhinderung einer Strumaentwicklung beim Feten oder einer durch Jodmangel induzierten Reifestörung der Schilddrüse durch prophylaktische Gabe von täglich 200 µg Jod in Form von Jodid-Tabletten vorgebeugt werden sollte.

Da sich die Schilddrüse des Feten autonom entwickelt, hat eine Jodmangelstruma bei der Mutter mit peripher euthyreoter Stoffwechsellage für das Kind insofern Bedeutung, als in jedem Fall neben dem Levothyroxin zur Entlastung der mütterlichen Schilddrüse auch Jod, insbesondere bei familiärer Kropfdisposition, prophylaktisch unbedingt erforderlich ist.

Häufig sind Schwangere gegenüber einer medikamentösen Therapie äußerst zurückhaltend. Es ist Aufgabe des betreuenden Arztes, zur Erhöhung der Compliance die Schwangere ausführlich und umfassend zu beraten, dass das heranwachsende Kind ab der 10. bis 12. Schwangerschaftswoche zusätzlich Jod als wichtige Substanz für die ungestörte geistige und körperliche Entwicklung benötigt.